ANSTECKUNSRISIKEN


HIV gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Das Virus ist sehr empfindlich und außerhalb des menschlichen Körpers unter Alltagsbedingungen nicht lebensfähig.



Die Übertragbarkeit von HIV hängt unter anderem ab von der Konzentration des Virus in den einzelnen Körperflüssigkeiten, vom Stadium der HIV - Infektion, in dem die infizierte Person ist, von den Pforten, durch die das Virus in den Organismus gelangt, vom Vorliegen anderer sexuell übertragbarer Krankheiten.

HIV konnte in fast allen Körperflüssigkeiten infizierter Menschen nachgewiesen werden. In Schweiß, Nasensekret, Tränenflüssigkeit, Speichel, Urin und Kot ist die Viruskonzentration jedoch sehr gering und reicht für eine Ansteckung nicht aus. Im Speichel wurde außerdem ein Protein entdeckt, das HIV blockieren und damit unschädlich machen soll.

HIV ist ein schwer übertragbares Virus. Deshalb besteht keine Ansteckungsgefahr beim

- Händedruck, Umarmen, Streicheln, Küssen, Anhusten und Anniesen
- Gemeinsamen Benutzen von Geschirr, Bestecken, Gläsern und Wäsche
- Essen von gemeinsam zubereiteten Nahrungsmitteln, Benutzen von Bädern und Toiletten
- Zusammenarbeiten und -wohnen mit Menschen von HIV / AIDS
- Pflegen und Betreuen von Menschen mit HIV / AIDS (bei Beachtung der allgemeinen Hygienevorschriften)

In Körperflüssigkeiten mit hoher Lymphozyten - Konzentration ist HIV in einer Menge enthalten, die für eine Ansteckung ausreicht. Das gilt vor allem für Blut und Sperma. In der Scheidenflüssigkeit und in Muttermilch ist die HIV - Konzentration geringer, eine Ansteckung hierüber ist aber immer noch möglich.

Wie hoch das Risiko ist, sich beim Kontakt mit diesen Körperflüssigkeiten zu infizieren, hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium der HIV - Infektion ist. Am höchsten ist die Viruskonzentration in den ersten Wochen nach der Ansteckung - in der Zeit also, in der die Infizierten nichts von ihrer Infektion wissen - sowie bei ausgeprägter Immunschwäche (Stadium AIDS).

Bekannt ist ebenso, dass das Vorliegen einer sexuell übertragbaren Krankheit (STD) das Risiko erhöht, sich beim Sex mit HIV anzustecken. Die von diesen Krankheiten verursachten Verletzungen oder Geschwüre erleichtern dem Virus das Eindringen in den Organismus.



Wie neuere Forschungen ergaben, steigt das HIV - Infektionsrisiko sogar dann an, wenn keine Verletzungen oder Geschwüre vorhanden sind. Angenommen wird, dass jede Geschlechtskrankheit die Zahl der weißen Blutkörperchen im Genitalbereich erhöht, wodurch das eingedrungene Virus mehr Angriffsmöglichkeiten hat. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass HIV in den Genitalflüssigkeiten infizierter Menschen in größerer Menge enthalten ist, wenn sie Geschlechtskrankheiten haben.

MENSTRUATIONSBLUT UND GENITALFLÜSSIGKEITEN - WAS IST WIE ANSTECKEND?


Menstruationsblut

Da die Lymphozyten - Konzentration im Menstruationsblut infizierter Frauen um ein Vielfaches höher ist als in der Scheidenflüssigkeit, enthält es auch mehr HIV. Es wird davon ausgegangen, dass während einer Menstruation das Risiko einer HIV - Übertragung größer ist als in allen anderen Phasen des weiblichen Zyklus.

Samenflüssigkeit

Die Samenflüssigkeit (Sperma) des Mannes besteht aus Sekret (flüssiger Anteil des Spermas) und aus Samenzellen (Spermien). Die HIV - Konzentration im Sekret infizierter Männer reicht für eine Ansteckung aus. Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass HIV auch in den Spermien enthalten ist, jedoch in niedriger Konzentration, die für eine Übertragung nicht ausreicht.
Infektiöse Samenflüssigkeit kann bei ungeschützten Vaginal- und Analverkehr in die Blutbahn des Sexualpartners gelangen. Beim Oralverkehr sollte man darauf achten, dass man kein Sperma in den Mund bekommt.

Vaginalflüssigkeit (Scheidenflüssigkeit)

Scheidenflüssigkeit besteht aus Vaginal- und Zerwichssekret. (Der Uteri Cervix ist ein Teil des Gebärmutterhalses (= Zerwichs oder Zerwichskanal). Im Zerwichskanal liegen Drüsen, die eine Flüssigkeit, das Zerwichssekret, absondern.)
Bei infizierten Frauen enthält auch die Scheidenflüssigkeit HIV. Ob die in ihr enthaltene Virusmenge für eine Ansteckung ausreicht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Ein Infektionsrisiko scheint es zumindest bei solchen Sexpraktiken zu geben, bei denen es zu besonders intensivem Kontakt mit Zerwichssekret kommt. In einer Studie von P. Greenhouse ("Female-to-Female transmission of HIV") wird z.B. das gemeinsame Benutzen von Sextoys unter Frauen als eine Praktik mit hohem Infektionsrisiko beschrieben. Es ist davon auszugehen, dass eine Scheideninfektion die Viruskonzentration im Vaginalsekret erhöht. In jedem Fall steigt bei einer Scheideninfektion das Risiko, sich mit anderen STDs zu infizieren.

Weibliches Ejakulat

Die Skeneschen Drüsen in der Vagina sondern beim Orgasmus ein Sekret ab, das als "weibliches Ejakulat" oder "Freudenfluss" bezeichnet wird. Zur HIV - Konzentration in diesem Sekret gibt es noch keine Untersuchungen. Die wenigen Fachleute, die den Freudenfluss in Hinblick auf HIV berücksichtigen, gehen davon aus, dass eine Ansteckung hierüber unwahrscheinlich ist.
WEITERE HIV INFEKTIONSRISIKEN UND WIE HOCH SIE SIND

Gemeinsamer Gebrauch derselben Spritzbestecke

Benutzen mehrere Personen dasselbe Spritzbesteck (Spritze, Nadel und sonstige Utensilien, z.B. Löffel, Filter, Tupfer), ist das Risiko sehr hoch, sich mit HIV oder Hepatitis - Viren anzustecken. Hierbei kann virushaltiges Blut direkt in die Blutbahn gelangen. (Näheres zu "Safer Use" enthält die DAH - Broschüre "Safer Sex - Schutz vor AIDS. Tips für Frauen und Männer, die Drogen gebrauchen".)

Mutter-Kind-Übertragung ("vertikale Transmission")

HIV - infizierte Frauen können das Virus in der Schwangerschaft, während der Geburt und beim Stillen auf das Kind übertragen. In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit der Mutter-Kind-Übertragung bei 12 bis 20%. Die HIV - Übertragungsrate hängt wesentlich vom Gesundheitszustand der Mutter ab. Sie kann unter bestimmten Umständen noch weiter gesenkt werden, z.B. durch dir Einnahme von Medikamenten gegen HIV (antivirale Medikamente) während der Schwangerschaft oder durch eine per Termin festgelegte Kaiserschnittgeburt. (Näheres enthält die DAH - Broschüre "Frauen mit HIV und AIDS. Ein medizinischer Ratgeber.")

Blutspenden und Blutprodukte

In Deutschland werden alle Blutspenden in einem Routine - Test auf HIV - Antikörper untersucht. HIV - positives Blut darf nicht weiterverwendet werden. Durch besondere Verfahren, z.B. Erhitzen, und gentechnische Herstellung wird weitgehend sichergestellt, dass die für Hämophile lebenswichtigen Blutplasmakonzentrate kein HIV enthalten. Bei Vollblutkonserven bleibt ein minimales Restrisiko aufgrund des "diagnostischen Fensters": das ist die Zeitspanne, die zwischen einer möglichen Ansteckung der Spenderin / des Spenders und der Bildung zuverlässig nachweisbarer Antikörper liegt (in der Regel 12 bis 16 Wochen). Bei geplanten Operationen kann deshalb eine Eigenblutspende sinnvoll sein. Bei einer Bluttransfusion wird dann das selbst gespendete Blut verwendet.

Künstliche Befruchtung (Insemination)

Wenn sich Frauenpaare oder alleinstehende Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen möchten, ist dies durch Selbstinsemination (Einführen von Sperma eines bekannten oder unbekannten Spenders), durch Insemination in einer Klinik oder durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr möglich. Allerdings besteht hierbei ein je unterschiedliches hohes Risiko, sich durch virushaltiges Sperma anzustecken.
In Kliniken inseminiertes oder von Samenbanken (zur Selbstinsemination) bezogenes Sperma wird, nachdem es gespendet wurde, in der Regel für einige Monate (siehe oben "diagnostisches Fenster") eingefroren. Nach Ablauf dieser Zeit wird der Spender auf HIV - Antikörper getestet. Nur bei einem negativen Ergebnis wird das Sperma verwendet. In einigen Kliniken werden die Spermien durch Zentrifugalbehandlung vom Sekret getrennt, um das Risiko einer HIV - Übertragung auf ein Minimum zu senken.
Frauen, die sich zwecks Befruchtung selber auf die Suche nach einem Spender machen oder den Heterosex wählen, bleibt folgende Möglichkeit: sie können darauf bestehen, dass der Mann sich auf HIV - Antikörper testen lässt, den Test nach 12 bis 16 Wochen wiederholt und in der Zwischenzeit Safer Sex praktiziert. Erst nach dem zweiten negativen Testergebnis schreitet frau zur Tat. Um sicher zu sein, dass solche Bedingungen erfüllt werden, wird es nötig sein, sich einen Mann auszusuchen, dem frau vertrauen kann.

Piercing und Tätowieren

Der Gebrauch von nicht - sterilen Piercing- oder Tätowiernadeln birgt eine HIV - Infektionsrisiko. Piercing und Tätowieren sollten deshalb Fachkräften oder Personen vorbehalten sein, denen man vertrauen kann. In jedem Fall sind die hierfür gültigen Hygieneregeln (Desinfektion der Arbeitsgeräte, Benutzung von Einwegnadeln) einzuhalten.

    
    
 

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